
Wurzelaufbruch adé?
Der ADFC Schleswig-Holstein und der Landesbetrieb für Straßenbau und Verkehr haben Handlungs-
empfehlungen für Sanierungsmaßnahmen an Radwegen mit Wurzeleinwuchs auf den Weg gebracht.
Schleswig-Holstein ist Fahrradland und kann mit einer besonders hohen Anzahl an Radwegen aufwarten. Jedoch ist das Landschaftsbild auch geprägt von alten Baumbeständen und charakteristischen Knicks. Hier entstehen häufig die für Radfahrenden so störenden Wurzelaufbrüche.
Wenn Wurzeln unmittelbar unter die Asphaltschicht drängen, heben sie den Belag an und verursachen gefährliche Aufwölbungen und Risse. Um hierfür nachhaltige Lösungen zu finden, haben der ADFC SH e. V. und die Stabsstelle Radverkehr des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr (LBV.SH) von September 2023 bis November 2025 ein wegweisendes Kooperationsprojekt umgesetzt.
Ursachenforschung: Warum der Asphalt Risse bekommt
Die Wurzel des Übels liegt meist im sogenannten Feuchtigkeitsgradienten. Wurzeln orientieren sich dorthin, wo Feuchtigkeit und Sauerstoff am besten verfügbar sind. Besonders die Porenstruktur direkt unter der Asphaltoberfläche begünstigt dieses Einwachsen. Das folgende Dickenwachstum der Wurzeln führt dazu, dass die Infrastruktur buchstäblich aufgesprengt wird.
Bereits 2022 legte die „Arbeitsgemeinschaft Wurzelaufbrüche“ – ein Zusammenschluss verschiedener Fachressorts und Interessengruppen – den Grundstein mit einer gemeinsamen Vereinbarung zum Umgang mit diesen Schäden. Darauf aufbauend wurde der LBV.SH mit der Umsetzung von Pilotprojekten betraut, während der ADFC SH das wissenschaftliche Monitoring übernahm und die Ergebnisse nun in einem umfassenden Projektbericht sowie der Broschüre „Handlungsempfehlung für Sanierungsmaßnahmen an Radwegen mit
Wurzeleinwuchs“ zusammengeführt hat.
Der Praxischeck: Acht Strecken im Härtetest
Ziel des Projektes war es, Sanierungsmethoden zu identifizieren, die Schadstellen dauerhaft beseitigen, ohne die Vitalität der Bäume zu gefährden. An acht Pilotstrecken aus der Baulast des LBV.SH wurden marktübliche Verfahren erprobt. Ein zentraler Baustein war dabei die Perspektive der Nutzer*innen: In einer gemeinsamen Umfrage von LBV.SH und ADFC SH bewerteten Radfahrende die Oberflächenqualität. Das Ergebnis war eindeutig: Ebene Asphaltoberflächen werden gegenüber wassergebundenen Wegedecken massiv bevorzugt da letztere aufgrund ihrer feinschottrigen Struktur sowohl beim Fahrkomfort als auch beim Pflegeaufwand deutliche Nachteile aufweisen.
Wegweiser für die Zukunft: Ein Modell für ganz Deutschland?
Zwar zeigt die Bilanz auf, dass eine kostengünstige, flächendeckend anwendbare und zugleich wurzelresistente Methode noch nicht existiert. Viele Ansätze sind entweder finanziell zu aufwendig für lange Streckenabschnitte oder erfüllen nicht den hohen Qualitätsanspruch eines modernen Fahrradlandes. Dennoch liefert das Projekt eine bundesweit einzigartige Arbeitsgrundlage.
Die entstandene Broschüre bietet einen fundierten Überblick über existierende Methoden und dient Kommunen und Planenden als wertvolle Entscheidungshilfe. Die Qualität der Arbeit überzeugte auch fachlich: Beim Deutschen Fahrradpreis schaffte es das Projekt unter die Top 5 in der Kategorie „Service und Kommunikation“. Ein Erfolg, der verstetigt wird: Die Stabsstelle Radverkehr des LBV.SH wird das Monitoring in den kommenden Jahren fortführen und die Handlungsempfehlungen kontinuierlich aktualisieren.








