Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Landesverband Schleswig-Holstein e. V.

Liniendiagramm des ADFC Mannheim zu täglichen Radverkehrszahlen an den Rheinbrücken im Sommer 2026 mit gleitendem Mittelwert und ausgewiesenem Anstieg von 5.053 auf 5.748 Räder pro Wochentag (+13,8%).

Radverkehr steigt deutlich an nach Sperrung der Kurt-Schumacher-Brücke

Weniger Autos, mehr Räder: Seit der Sperrung der Kurt-Schumacher-Brücke zählen die Dauerzählstellen knapp 14 Prozent mehr Radverkehr über den Rhein. Doch am Luisenring endet die Radspur im Nichts. Der ADFC Mannheim fordert eine sichere Auffahrt.

Nach Ende der Sommerferien in Rheinland-Pfalz zählten die Dauerzählstellen an der Konrad-Adenauer- und der Kurt-Schumacher-Brücke im Schnitt 5.748 Räder pro Wochentag. Das sind 13,8 Prozent oder knapp 700 Radfahrten pro Wochentag mehr als vor der Brückensperrung und 25 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Seit dem 5. August ist die Kurt-Schumacher-Brücke für den Autoverkehr gesperrt, für Radfahrende bleibt sie erfreulicherweise offen und ermöglicht weiterhin eine direkte Rheinquerung. 

Das ist kein kurzfristiger Effekt: Die Bauarbeiten an der Kurt-Schumacher-Brücke sollen nach aktuellem Stand bis 2033 dauern (und anschließend soll die Konrad-Adenauer-Brücke saniert werden). Für Pendelnde zwischen Mannheim und Ludwigshafen – etwa zu Arbeitsplätzen bei der BASF – wird das Rad damit über Jahre zur verlässlichsten Verbindung über den Rhein. 

„Die gute Nachricht: Die Brücke bleibt für den Radverkehr nutzbar, und so mancher Autopendler, der in Ludwigshafen arbeitet, besinnt sich gerade aufs Rad zurück“, sagt Frau G., Berufspendlerin zwischen Seckenheim und Ludwigshafen.

Gegen den Trend des Vorjahres

2025 sank der Radverkehr an den drei Zählstellen vom Frühsommer bis Ende September um 4,6 Prozent. In diesem Jahr stieg er im gleichen Zeitraum um 13,8 Prozent. An beiden Brücken wurden für den untersuchten Zeitraum Höchstwerte seit Beginn der jeweiligen Zählungen registriert. Nicht alle Radfahrten werden von den Zählstellen erfasst. Baustellenbedingte Ausweichrouten können dazu führen, dass Fahrten an den Messpunkten vorbeiführen, etwa über den freigegebenen Gehweg auf der Mannheimer Seite der Konrad-Adenauer-Brücke.

Nach ersten Analysen des ADFC Mannheim ist der gesamte motorisierte Verkehr über beide Brücken gegenüber Juni und Juli 2026 um etwa 20 Prozent eingebrochen. Auf der Konrad-Adenauer-Brücke allein hat sich der Kfz-Verkehr zwar mehr als verdoppelt, den weggefallenen Verkehr über die Kurt-Schumacher-Brücke gleicht das aber nicht aus. Da unterschiedliche Messmethoden zur Verfügung stehen, ist der ADFC Mannheim mit Smart City Mannheim, der Verkehrsplanung der Stadt und dem VRN in Kontakt, um diese Zahl zu präzisieren.

Luisenring: Radspur endet im Nichts

Wer aufs Rad umsteigt, wird am Luisenring allerdings allein gelassen. Die geschützte Radspur endet dort im Nichts. Danach müssen sich Radfahrende zwischen Warnbaken hindurch ihren Weg zur Rampe auf die Brücke suchen, einen ausgewiesenen Weg gibt es nicht. Ortsunkundige finden die Auffahrt oft gar nicht, beim ADFC Mannheim und bei der Stadt gingen dazu bereits Bürgeranfragen ein.

„Leider hat Mannheim die Chance verpasst, sich als Fahrradstadt zu präsentieren und den Radverkehr proaktiv mitzudenken“, sagt Frau G. „Die temporäre Verkehrsleitplanung kennt nur Autofahrer. Radfahrer müssen sich zwischen den Warnbaken hindurch den Weg zum Radwegeinstieg illegal suchen.“

„Anfangs habe ich mich mit der Situation arrangiert und mich ebenfalls zwischen den Baken durchgeschlängelt. Das ist aber nicht immer möglich: Die Baken stehen teilweise sehr eng, dahinter parken Autos, und der abgesperrte Bereich ist mittlerweile voller Glasscherben, weil dort keine Kehrmaschine fahren kann“, sagt Michael Olivari vom ADFC Mannheim, der zwischen der Neckarstadt und Ludwigshafen mit dem Rad pendelt. „Lastenräder und Räder mit Anhänger kommen zwischen den Baken nicht durch und müssen auf der Straße fahren. Das gleicht einem Spießrutenlauf.“

Nach Auskunft der Stadt konnte der Radverkehr bei der kurzfristigen Sperrung nicht unmittelbar berücksichtigt werden. Zwei Monate später gibt es allerdings noch immer keine Lösung und der ADFC Mannheim hat erneut nachgefragt.

Den Schwung nutzen

Der ADFC Mannheim fordert:

  1. Die geschützte Radspur am Luisenring noch in diesem Herbst auf der gesperrten Fahrspur bis zur Rampe verlängern – gelbe Markierung und umgestellte Baken reichen dafür aus. Und sie dauerhaft dort lassen, auch nach der Sperrung.
  2. Eine klare Wegweisung: Richtungspfeile auf der Fahrbahn und Schilder „Ludwigshafen“ am Luisenring, damit auch Ortsunkundige die Auffahrt finden.
  3. Den Neubau von Anfang an mit dem Rad denken: Laut Stadt Mannheim sollen die Planungsleistungen bis Juni 2027 vergeben werden. Breite, getrennte Radwege und gute Anschlüsse auf beiden Rheinseiten müssen von Beginn an Vorgabe sein, nicht nachträglich.
  4. Den Masterplan Mobilität 2035+ endlich ernst nehmen: Radverkehr bei Baustellen und Sperrungen von Anfang an mitplanen, statt ihn hinterher zu vergessen.

„Die Zahlen sind eine gute Nachricht: Viele Menschen nutzen die Sperrung, um nachhaltig und gesundheitsfördernd aufs Rad umzusteigen“, sagt Arne Warnke vom ADFC Mannheim. „Diesen Schwung sollte die Stadt Mannheim nutzen: Mit einer besseren Auffahrt am Luisenring kann sie zeigen, dass sie ihren eigenen Masterplan Mobilität 2035+ ernst nimmt und diesen Umstieg zur Gewohnheit werden lässt.“

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Liniendiagramm des ADFC Mannheim zu täglichen Radverkehrszahlen an den Rheinbrücken im Sommer 2026 mit gleitendem Mittelwert und ausgewiesenem Anstieg von 5.053 auf 5.748 Räder pro Wochentag (+13,8%).

Entwicklung des Radverkehrs vor und nach der Sperrung der Kurt-Schumacher-Brücke 2026

Copyright: ADFC Mannheim

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Zwei Balkendiagramme nebeneinander vergleichen den Verkehr über die Konrad-Adenauer- und die Kurt-Schumacher-Brücke vor der Sperrung (1.6.–29.7.2026) mit der Zeit vom 10.8. bis 1.10.2026, jeweils als Durchschnitt Montag bis Freitag. Links der Autoverkehr: von 98.535 auf 79.052 Kfz pro Werktag, minus 19.483 Fahrzeuge oder minus 19,8 Prozent. Rechts der Radverkehr: von 5.053 auf 5.748 Fahrräder pro Werktag, plus 695 Räder oder plus 13,8 Prozent.

Sperrung Kurt-Schumacher-Brücke: weniger Autos, mehr Räder

Copyright: ADFC

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Blick entlang des Luisenrings in Mannheim bei Sonnenschein. Links fahren Autos und ein Lieferwagen in Richtung Hochstraße. Die rechte Fahrspur ist mit einer Reihe rot-weißer Warnbaken mit gelben Warnleuchten und einer gelben Linie abgesperrt. Darunter sind noch alte weiße Fahrbahnmarkierungen zu sehen.

Luisenring: Gesperrte Fahrspur statt Radweg

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Flächendiagramm des täglichen Kfz-Verkehrs über die Konrad-Adenauer- und die Kurt-Schumacher-Brücke in Mannheim, 1. Juni bis 1. Oktober 2026, beide Fahrtrichtungen. Bis Ende Juli sind beide Brücken gestapelt dargestellt: Die Konrad-Adenauer-Brücke trägt rund 35.000 Kfz am Tag, die Kurt-Schumacher-Brücke rund 63.000. Werktags liegt die Summe meist bei 95.000 bis 108.000, an Wochenenden fällt sie auf 55.000 bis 65.000. Seit der Vollsperrung der Kurt-Schumacher-Brücke am 5. August läuft der gesamte Kfz-Verkehr über die Konrad-Adenauer-Brücke, werktags meist 70.000 bis 85.000 Fahrzeuge. Gestrichelte Linien zeigen den Durchschnitt pro Werktag: vorher (1.6.–29.7.) 98.536 Kfz, nachher (10.8.–1.10.) 79.052 Kfz, also 19,8 Prozent weniger. Der Übergang rund um die Sperrung ist schraffiert und nicht im Durchschnitt enthalten. Am oberen Rand sind die Sommerferien in Rheinland-Pfalz (29.6.–8.8.) und Baden-Württemberg (30.7.–13.9.) markiert.

Kfz-Verkehr über die Rheinbrücken: knapp 20 % weniger seit der Sperrung

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Kreuzung am Luisenring in Mannheim. Gelbe Wegweiser zeigen nach Stuttgart und nach rechts Richtung Ludwigshafen (B 44). Dahinter führt eine geschwungene Rampe nach oben, davor stehen ein rot-weißes Absperrgitter, Warnbaken und Verkehrsschilder. Rechts an einer grauen Hauswand hängt ein blaues Schild für einen gemeinsamen Geh- und Radweg. Auf der Fahrbahn sind gelbe Baustellenlinien und ein gelbes Kreuz markiert. Im Hintergrund verläuft die Hochstraße.

Auffahrt Richtung Ludwigshafen: Absperrungen statt klarer Wegweisung

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Blick auf die Kreuzung Luisenring in Mannheim, an der eine baulich geschützte Radspur am Straßenrand kurz vor der Kreuzung abrupt endet.

Abruptes Ende der Protected Bike Lane am Mannheimer Luisenring

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Straßenzug am Luisenring in Mannheim mit Baustellenbaken, Tempo-30-Schildern und einem Umleitungshinweis wegen Brückenschäden vor Altbauten.

Baustelleneinrichtung und Umleitungsbeschilderung am Mannheimer Luisenring

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