Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Landesverband Schleswig-Holstein e. V.

Bild: Feldbergstraße Mannheim von wegavision via Mapillary, CC BY-SA 4.0

Feldbergstraße: Wie sollen Kinder künftig sicher zur Schule radeln?

Neue Parkplätze in der Feldbergstraße machen den Schulweg unsicherer. Ausweichen können Kinder nicht: Ab zehn Jahren müssen sie auf die Fahrbahn. Der ADFC Mannheim fordert vor dem Umbau Fahrradstraßen in der Feldberg- und Belchenstraße.

Worum es geht

Schon bald sollen in der Feldbergstraße zwischen Speyerer Straße und Höhe Heiligenbergstraße auf beiden Seiten Parkplätze markiert werden. Wo heute Kinder zur Schule radeln, stehen dann Autos. Und das, obwohl die Stadt selbst noch im November 2025 dem Bezirksbeirat mitteilte, durch die Umstrukturierung des Brüderklinikum Julia Lanz sei ‚keine signifikante Änderung an Parkbedarfen' zu erwarten. Öffentlich beraten wird darüber nicht. Dabei gehört eine Planung, die den Schulweg unserer Kinder verändert, vor der Entscheidung auf den Tisch unter Beteiligung der Schulen und Elternvertretungen.

Ein Schulweg für fünf Einrichtungen

Die Feldbergstraße ist einer der wichtigsten Radschulwege im Lindenhof. Sie erschließt das Moll-Gymnasium und liegt im Einzugsgebiet der Diesterweg-Grundschule und der Almenhof-Grundschule. Auch der Tigriskindergarten und das Kinderhaus Belchenstraße liegen im direkten Umfeld. Hier sind jeden Morgen Kinder und Jugendliche unterwegs, viele von ihnen mit dem Rad. Und ab zehn Jahren dürfen sie nicht mehr auf den Gehweg ausweichen, sie müssen nach StVO auf die Fahrbahn. Genau den Platz, den sie dort brauchen, will die Stadt jetzt an Parkplätze vergeben.

Im offiziellen Schulwegplan ist die Feldbergstraße im Umfeld des Moll-Gymnasiums als Teil des Radschulwegnetzes mit Radverkehrsanlage dargestellt. Der dort vorhandene Radschutzstreifen soll nun ersatzlos entfallen. Die Stadt empfiehlt Familien also eine Route, die sie so umbaut, dass sie für Kinder und Jugendliche nicht mehr geeignet ist. 

Was die Verengung für Kinder bedeutet

Übrig bleibt eine schmale Fahrbahn, auf der Kinder und Autos denselben Raum beanspruchen. Konkret heißt das:

  • Plötzlich geöffnete Autotüren (sogenanntes Dooring) gehören zu den häufigsten Ursachen schwerer Radunfälle im Stadtverkehr. Künftig droht genau diese Gefahr in der Feldbergstraße.
  • Innerorts schreibt die StVO beim Überholen mindestens 1,5 Meter Abstand vor, bei Kindern verlangen Gerichte zwei Meter. Auf einer Fahrbahn, die durch Parkplätze schmaler wird, geht das nicht. Autos müssen dann hinter den Kindern bleiben – und werden es trotzdem oft nicht tun.
  • Tempo 30 wird bereits regelmäßig überschritten. Eine enge Fahrbahn mit zu schnellem Kfz-Verkehr erzeugt genau den Druck im Nacken, der Familien vom Rad vertreibt.
  • Mehr Parkplätze heißt mehr Rangieren. Genau dort, wo die Parkplätze entstehen sollen, wurde im September 2019 ein Mensch zu Fuß schwer verletzt, weil ein Pkw rückwärts ins Rollen geriet. Je mehr Autos dort ein- und ausparken, desto häufiger droht dies.

Ein sicherer Schulweg darf nicht voraussetzen, dass Kinder sich gegen drängelnde Autos behaupten – erst recht nicht, wenn sie für Autofahrende ohnehin schlechter zu sehen sind. Der absehbare Effekt: mehr Elterntaxis vor den Schulen, also noch mehr Kfz-Verkehr genau dort, wo er am wenigsten hingehört. Ausweichen ist auch keine Option: Wer zehn Jahre alt ist, muss auf die Fahrbahn. Schon heute ist die Feldbergstraße alles andere als ideal und kein Weg, den man Kindern gern zumutet. Umso weniger ist zu verstehen, warum die Stadt sie ausgerechnet verschlechtern will.

 

Unsere Kinder brauchen sichere Schulwege

Die Feldbergstraße ist im Schulwegplan als Radschulweg ausgewiesen, also sollte sie auch so gestaltet sein. Wir fordern, sie zur Fahrradstraße zu machen: Autos bleiben zugelassen, Parkplätze ebenfalls, aber der Radverkehr hat Vorrang und das Tempo richtet sich nach ihm. Das löst den Konflikt, statt ihn zulasten der Kinder zu entscheiden.

Dazu gehört eine zweite Achse: eine Fahrradstraße in der Belchenstraße. Ein Schulweg ist kein einzelner Straßenzug. Erst beide Straßen zusammen ergeben eine durchgängig sichere Verbindung Richtung Lindenhof, Hauptbahnhof und Almenhof.

Entscheidend ist die Reihenfolge: Die Feldbergstraße darf erst verengt und der Schutzstreifen erst entfernt werden, wenn diese Route tatsächlich vorhanden, ausgeschildert und sicher befahrbar ist. Eine Lücke zwischen Wegfall und Ersatz wäre eine Lücke im Schulweg.

Auch die Feldbergstraße selbst muss sicher bleiben. Solange dort längs geparkt wird, braucht es einen ausreichend breiten, markierten Sicherheitsabstand zu den Autos; zum Schutz vor plötzlich geöffneten Türen. Das ist ein Mindestschutz, kein Ersatz für eine sichere Route. Wo der Platz dafür fehlt, muss die Sicherheit der Kinder Vorrang vor Parkplätzen haben.

Wo Autos Fahrräder nicht mit mindestens 1,5 Metern Abstand überholen können, müssen sie dahinterbleiben. Wir fordern dort eine klare Beschilderung des Überholverbots (durch Schild 277.1) und regelmäßige Kontrollen. In der Rheingoldstraße hat die Stadt bereits mit einer Hinweiskampagne auf das Überholverbot aufmerksam gemacht.

Und schließlich muss Tempo 30 im Umfeld von Schulen und Kitas durch eine sichere Straßengestaltung und regelmäßige Kontrollen tatsächlich durchgesetzt werden – nicht nur auf dem Schild stehen. Unsere Kinder sollen sicher und selbstständig zur Schule kommen. Dafür muss die Stadt jetzt sorgen.

Unabhängig davon bleibt unsere Forderung nach einer Aufpflasterung des Radweges an der Kreuzung Feldbergstraße/Steubenstraße bestehen. Kinder brauchen dort freie Sicht und einen sicheren Übergang.

Der Trend läuft ohnehin in die falsche Richtung

Bundesweit fahren immer weniger Jugendliche Rad, genau in dem Alter, in dem sie zum Moll-Gymnasium unterwegs sind. Wer das umkehren will, muss Wege anbieten, die sicher sind und sich auch so anfühlen. Ein Schulweg, auf dem Kinder sich zwischen Autos durchschlängeln, leistet das Gegenteil. Und sie widerspricht dem, was die Stadt sich selbst im Masterplan Mobilität vorgenommen hat. 

Ein Verfahren, das Fragen aufwirft

In einer Vorlage vom 27. November 2025 lehnte die Verwaltung es ab, einen Antrag des Bezirksbeirats Lindenhof auf die Tagesordnung zu setzen (BBR-SV024/2025). Begründung: Laut Mitteilung der BBT-Gruppe sei „keine signifikante Änderung an Parkbedarfen zu erwarten", bauliche Änderungen seien nicht bekannt, ein Bauantrag nicht gestellt.

Wenige Monate später entsteht nun Parkraum zulasten des Straßenraums – in einer Planung, die ohne Beteiligung des Bezirksbeirats läuft und ihm erst am Ende zur Kenntnis gegeben werden soll. Auch der ADFC Mannheim als “Träger Öffentlicher Belange” wurde hier nicht angehört. Eine Maßnahme, die die Sicherheit von Schulwegen berührt, gehört vor der Entscheidung in die öffentliche Beratung.
 

Fazit

Kein Parkdruck rechtfertigt es, einen Schulweg so umzubauen, dass Kinder ihn nicht mehr sicher befahren können. Der ADFC Mannheim fordert die Stadt Mannheim auf, vor jeder Umsetzung zu beantworten, auf welcher Route Kinder und Jugendliche künftig sicher zur Schule radeln sollen – und diese Route zu bauen.

Sie fahren die Strecke selbst oder Ihr Kind tut es? Schreiben Sie uns, was Ihnen dort begegnet

https://sh.adfc.de/artikel/feldbergstrasse-schulweg

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